Verwüsten Kaschmirziegen die Mongolei?

Kaschmirziege (Skulptur aus Tibet ca. 1650 bis 1750). Foto: GNU-Lizenz für freie Dokumentation von Thomas W. Pluhar http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Cashmere-Ziege.jpg&filetimestamp=20080401132507Die einen sehen es kritisch, dass die Mongolei so stark vom Export ihrer Bodenschätze abhängt. Sie meinen, man solle die Mongolen durch den Kauf nachhaltiger produzierter Wirtschaftsgüter unterstützen, z.B. Kaschmirwolle und daraus hergestellter Produkte. Andere wiederum glauben, die Kaschmirproduktion in der Mongolei sei ein großes ökologisches Übel.

Lesen Sie hier einen (gekürzten) Meinungsartikel über mongolische Kaschmirwolle von Bert Jensen aus der Schweiz:

Die Wüste Gobi in der Mongolei ist eine Fels- und Gerölllandschaft. Es gibt historische Funde einer jahrtausendealten Stadtanlage, die zeigt, dass das Klima dort früher für menschliche Besiedelung geeignet war und ihr Niedergang damals durch lokale Veränderungen der Regenverhältnisse und Flüsse besiegelt wurde.

Das Fortschreiten der Wüstenbildung von Gebieten, die innnerhalb eines Menschenlebens – soger innerhalb von zwanzig Jahren – für die Beweidungswirtschaft der mongolischen Hirten zu trocken wurden, hat in der heutigen Zeit aber durchaus menschlichen Einfluss: die Änderung der historischen Traditionen in der Tierhaltung. Daran trägt die Globalisierung grossen Anteil.

Jetzt gelten auch in den Jurten der Mongolen die Gesetze der Marktwirtschaft, die gnadenlos durch gefordertes Wirtschaftswachstum die vorhandenen natürlichen Ressourcen zerstören. Von Nachhaltigkeit kann auch bei den Hirten der Mongolei keine Rede mehr sein, die bei uns mit ihrem wandernden Nomadenleben mit ihren berühmten Jurten einen Hauch von Romantik und Ungebundensein erwecken. Es gibt keine staatliche Kontrolle der Weideflächen mehr.

Die “moderne” Wirtschaftsweise schafft es sogar in der dünn besiedelten Mongolei mit ihren nur 2,6 Millionen Einwohnern, von denen fast die Hälfte in der Hauptstadt Ulan-Bator (fast 1 Million Einwohner) lebt, ihre Landschaft weiter durch Überweidung zu zerstören. Das Ökosystem ist dadurch extrem gefährdet.

Hier geht es um den von der Industrie erzeugten Bedarf nach Produkten aus Cashmere (Kaschmirwolle), deren Verbrauch auf Hochtouren angekurbelt wird durch clevere Marketingstrategien. Noch mehr, noch billiger, noch schneller muss ein Produkt auf den Markt und rasch weltweit den Käufer finden.
Jedes Kaufhaus bietet heutzutage Pullover oder Schals aus Kaschmirwolle an.

In Folge davon wurde in der Mongolei das Grasland seit den neunziger Jahren durch den grösseren Anteil von Kaschmirziegen in den Viehherden zurückgedrängt. Ihre Wolle gilt mittlerweile als Hauptexportgut der Mongolei und wird fast zu 100 % an die grossen chinesischen Textilunternehmen verkauft.

Diese Ziegen, deren Ursprungsland einst in Tibet lag, reissen beim Fressen das Gras mit der Wurzel aus im Gegensatz zu Schafen. Und man braucht viele Ziegen für dieses lukrative Geschäft, denn die Kaschmirwolle ist eine feine (ca. 14-19 µm) und sehr weiche Faser, welche zum Ende des Winters durch Kämmen aus dem Unterfell der Kaschmirziege gewonnen wird. Pro Tier werden ca. 150 Gramm gesammelt, die dann (von Hand) von den einzelnen Oberhaaren (Grannen) gereinigt werden müssen.

In der Inneren Mongolei versucht man, die Überweidung durch grossflächige Absperrungen von Weideland und Umsiedlungen zu bekämpfen. Außerdem werden an den Strassen breite Schutzpflanzungen (Chinas Grüne Mauer) angelegt, um die Auswirkungen von Sandstürmen zu begrenzen.

Das Kaufverhalten der Bevölkerung in Staaten, die zu den reicheren zählen, trägt damit zur Zerstörung der Umwelt in weit entfernten Ländern bei. Da hier die Aufklärung fehlt, kann man ihr in diesem Fall beim Kauf eines Kaschmirpullovers gar keinen Vorwurf machen – die Verkäufer reden nie über schädliche Produktionsweisen ihrer Ware.

Quelle: Lesen Sie den ungekürzten und unredigierten Originalartikel auf bertjensen.ch.

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Eine Reaktion zu “Verwüsten Kaschmirziegen die Mongolei?”

  1. Tom

    Ein Loblied auf Kaschmir und die Kaschmir-Ziege:
    http://www.nach50.com/community-artikel/2011/05/11/seit-gestern-trage-ich-mongolisches-ziegenhaar/

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