Präsidentenwahl 2009 in der Mongolei
Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise wählen die Mongolen am Sonntag einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Enkhbayar Nambaryn und sein Herausforderer Elbegdorj Tsahia liegen in Umfragen etwa gleich auf.Beide Kandidaten versprechen der Bevölkerung trotz sinkender Wirtschaftsleistung eine größere Teilhabe an den Einnahmen aus dem Verkauf natürlicher Rohstoffe.
Die Wahl findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem der knappe Ausgang der Parlamentswahl im vergangenen Jahr zu Unruhen mit fünf Toten und etwa 300 Verletzten geführt hatte. Für Sonntag wurden als Vorsichtsmaßnahmen der Verkauf von Alkohol verboten und alle öffentlichen Veranstaltungen in der Hauptstadt abgesagt. Knapp die Hälfte der Wähler lebt in Ulan Bator.
Der frühere Ministerpräsident Elbegdorj tritt mit einer Botschaft des Wandels und der Korruptionsbekämpfung an und kann daher bei der Stadtbevölkerung auf großen Rückhalt zählen. Amtsinhaber Enkhbayar von der Mongolischen Revolutionären Volkspartei hingegen ist bei der Landbevölkerung und den Nomaden beliebt. Er verspricht staatliche Hilfen und betonte im Wahlkampf die Themen der nationalen Einheit und eines starken Rechtsstaats. Wenn Landwirte und Nomaden am Sonntag in großer Zahl zur Wahl gehen, könnte Enkhbayar Demoskopen zufolge leicht in Führung liegen.
“Geschenk vom Mutterland für alle Bürger”
Enkhbayar verspricht den rund 2,6 Millionen Mongolen “ein Geschenk vom Mutterland für alle Bürger”. Der Präsident will nach dem Vorbild des US-Staats Alaska einen Fonds schaffen, der alle Einwohner am Reichtum der Bodenschätze teilhaben lässt. Doch die Städter, die auch an den Profiten der Mineralienvorkommen teilhaben wollen, vertrauen eher dem Herausforderer von der Demokratischen Partei. “Elbegdorj steht ganz für den Wandel. Er steht für neue, unverbrauchte und progressive Ideen, die wir in der Mongolei dringend brauchen”, sagt der Textilimporteur Shagai Batmunkh aus Ulan Bator.
Von 2004 bis 2008 wuchs die mongolische Wirtschaft im Durchschnitt nahezu um neun Prozent, befeuert vor allem durch die steigenden Preise für Kupfer, Molybdän und Gold. Im Gleichschritt mit den fallenden Rohstoffpreisen sinkt jetzt auch das BIP-Wachstum drastisch. Allenfalls zwei Prozent Plus sollen dieses Jahr noch möglich sein. Die Steuereinnahmen sind bereits gesunken, die Regierung hat erste Kürzungen bei Sozialprogrammen durchgesetzt. Der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren jedoch auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt – die weiten Steppen, Nomaden mit ihren Jurten und die Wüste Gobi im Süden haben zuletzt nach offiziellen Angaben pro Jahr fast 400.000 Besucher ins Land gelockt.
Die Mongolei ist indes immer noch ein armes Entwicklungsland, das Leben der Landbevölkerung ist sehr einfach. Im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen (HDI) belegt die Mongolei bei 179 Ländern den 112. Rang. Mindestens ein Drittel der Mongolen lebt in Armut. Im Vergleich zur autokratischen Nachbarschaft – unter anderem Russland und China – gilt das zentralasiatische Land jedoch seit der friedlichen Revolution von 1990 als Musterland der Demokratie. Am Sonntag stimmen die Mongolen bereits zum fünften Mal über einen neuen Präsidenten ab. (AP)
Quellen:
pr-inside.com
“Präsidentenwahl im Musterland der Demokratie” von Ganbat Namjilsangarav auf epochtimes.de
wikipedia.de und wikipedia.de
Tags: Elbegdorj Tsahia, Enkhbayar Nambaryn, Präsident, Präsidentschaftswahlen, Wahlen