Mongolischer Kalender
In der Mongolei sind viele Rituale und Festivitäten eng mit dem mongolischen Mondkalender verknüpft. Dieser ist mit dem tibetischen buddhistischen Kalender nah verwandt. Die Jahre werden nach den zwölf mongolischen Tierkreiszeichen benannt: Ratte oder Maus, Rind, Tiger, Hase oder Kaninchen, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Huhn, Hund, Schwein.
Neben dem zwölfjährigen Tierkreiszyklus gibt es einen zehnjährigen Zyklus von fünf Zweijahresperioden, die nach den fünf Elementen Eisen, Wasser, Holz, Feuer und Erde benannt sind. Die Kombination dieser Zyklen ergibt Perioden mit einer Dauer von jeweils 60 Jahren, innerhalb derer jedes Jahr eindeutig benannt werden kann. Das Jahr 2009 (ab 25. Februar) gilt zum Beispiel als Jahr des Erd-Rinds. Das nächste Erd-Rind-Jahr ist 2069.
Jedes Jahr ist in (mondzyklus-orientierte) Monate eingeteilt. Jeder Monat hat im Prinzip 30 Tage. Manche Monate können aber auch mal kürzer ausfallen, da astrologisch ungünstige Tage ausgelassen werden. Manche heilige Tage dagegen können auch schon mal doppelt zählen. Im Buddhismus hat jeder Monat vier besondere Tage des Gebets, den 8., den 10., den 15. und den 25. Tag des Monats.
Der Neujahrstag des mongolischen Mondkalenders wird Tsagaan Sar genannt, was Weißer Mond oder Weißer Monat bedeutet. Tsagaan Sar wird über mehrere Tage hinweg nach dem Ende der 81 Tage zählenden Winterperiode gefeiert. Die nomadischen Viehzüchter in der Mongolei teilen das Jahr in Neuntagesperioden oder Nonen ein. Der Winter dauert nach diesem System neun Nonen. Die Nonen haben Namen, die einen praktischen Bezug zum täglichen Leben der Nomaden herstellen, wie zum Beispiel: “Lämmer zu zu decken” oder “nicht kalt genug zum Suppe einfrieren”.
Während der sozialistischen Ära wurden eine Reihe von Feiertagen wie der Tag der Arbeit am 1. Mai oder der Gedenktag zur Russischen Oktoberrevolution eingeführt. Einer der wichtigsten Feiertage sozialistischer Prägung ist nach wie vor der Tag der Frau am 8. März. Bis heute wird dieser Tag in der Mongolei jedes Jahr festlich begangen. Dies mag mit der in der mongolischen Gesellschaft traditionell angesehenen Stellung der Familienmutter zusammen hängen.
Religiöse Zeremonien finden oftmals in der Nähe eines Owoo, in etwa der Entsprechung eines schamanistischen Sheree, statt. Ein Owoo oder Sheree ist in der Regel ein rituell errichteter Steinhaufen, der eine heilige Stelle markiert, sozusagen ein Freiluftaltar, der durch die Übereste der Opferrituale ständig anwächst. Owoos und Sherees werden von den Ortsgeistern oder Ortsgottheiten bewohnt. Die an solchen Orten stattfindenden Opferrituale richten sich meist nach dem lamaistischen (buddhistischen) Kalender.
Im stärker russisch beeinflussten burjatischen Norden der Mongolei wurden die Termine mancher Rituale im Laufe des 19. Jahrhunderts auch auf passende orthodoxe Feiertage verlegt und richten sich somit nach dem russisch-orthodoxen Kalender. In der östlichen Mongolei wurden viele animistisch-schamanistisch geprägte Rituale unter lamaistischen (buddhistischen) Vorzeichen fortgesetzt, allerdings oft unter Vermeidung von Tieropfern. Diese Rituale richten sich nach dem lamaistischen (buddhistischen) Kalender.
Tags: Animismus, Buddhismus, Jahr, Kalender, Lamaismus, Mondkalender, Schamanismus, Tierkreiszeichen
Am 14. Februar 2010 um 05:36 Uhr
[...] auch: Mongolischer Kalender Bituun 2010 Tsagaan Sar 2009 [...]