Mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Fernost

Lokomotiven der transsibirischen Eisenbahn. GNU-Lizenz für freie Dokumentation: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Transib_locomotive.jpgSieben Tage mit dem Zug von Moskau nach Vladivostok. Über neuntausend Kilometer quer durch Russland bis in die ferne Mongolei. Die häufigste Frage dazu lautet: Eine Woche? Wird das nicht öde und langweilig? Die eindeutige Antwort darauf: Nein!

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist keine gewöhnliche Zugfahrt. Wenn man als Individualreisender in Moskau in einen regulären Zug der Transsib steigt und seinen Platz im zwei mal zwei Meter kleinen Vierer-Abteil belegt, beginnt ein Erlebnis, das man im guten Sinne niemals vergessen wird! Auf geht es in Richtung Osten. Vorbei am Ural, am Baikalsee und schier endlosen sibirischen Weiten.

Bereits vor Abfahrt des Zuges am Moskauer Bahnhof Jaroslavskij Voksal machen es sich die Reisenden bequem. Von nun an regieren Jogginganzüge und Badelatschen die Gänge und Abteile. Pro Waggon gibt es einen Provodnik oder eine Provodniza. Diese kümmern sich um das Wohl der Fahrgäste, sorgen für Sauberkeit im Waggon, teilen die Bettwäsche aus und servieren frisch aufgebrühten Tee.

Beide Hauptrouten der Transsibirischen und Transmongolischen Eisenbahn haben ihren Reiz. Der Vorteil der Moskau-Peking-Strecke gegenüber der Moskau-Vladivostok-Strecke: Man erlebt mehr kulturelle und landschaftliche Vielfalt. Bis Irkutsk und Ulan-Ude fahren beide Züge dieselbe Strecke.

Das typische Transsib-Gefühl entfaltet sich am Besten, wenn man quer durch Sibirien rollt. Im Abteil wird man schnell Kontakt mit seinen Mitfahrern haben, die aus Russland, Kasachstan, Tadschikistan, der Ukraine, Weißrussland und der Mongolei stammen. Westliche Globetrotter trifft man auch, doch die Anzahl der Rucksacktouristen hält sich momentan noch in Grenzen, wenn gleich die Zahl der Individualtouristen stetig zunimmt.

Die zweithäufigste Frage lautet: Was, um Gottes Willen, tut man all die Zeit?
Die Antwort: Sich erholen, komplett vom Alltag abschalten, stundenlang aus dem Fenster schauen und träumen, die Gedanken schweifen lassen, Tee aufbrühen gehen, mit den anderen im Zug Karten spielen, auf dem Gang entlang schlendern und gespannt auf den Zwischenstopp am nächsten Bahnhof warten. Denn Bahnhöfe bieten Abwechslung. Auf den Bahnsteigen bieten Einheimische frische Teigwaren mit gefülltem Weißkohl oder Kartoffeln sowie Gemüse, Obst und Getränke an. In der Baikalregion komplettiert leckerer Räucherfisch das Angebot. Ganz besonders ist der Omul-Fisch zu empfehlen.

Eine weitere Frage, die sich jedem Individualreisenden stellt: Fährt man die Strecke komplett durch oder steigt man zwischendurch hier und dort aus? Plant man die Reise im Vorfeld akribisch oder steigt man an gewünschten Haltepunkten ganz spontan aus? Die Entscheidung sollte man möglichst vorher treffen, da die Bettkarten nur für die reservierte Fahrt gelten. Beim spontanen Aussteigen verfällt das Ticket komplett! Ein neues Billet muss dann vor Ort erworben werden. Dabei sind selbstverständlich Russischkenntnisse gefragt.

Ganz generell: Um während einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn richtig Freude zu haben, sollte man zumindest paar Brocken Russisch können und ein gutes Wörterbuch, in dem auch ausgefallene Vokabeln stehen, mit im Gepäck haben. Der Rest ergibt sich dann von allein. Stift und Papier zum Aufmalen. Hände zum Gestikulieren, ein freundliches Lächeln – schon sind in den meisten Fällen die Herzen geöffnet und Sprachbarrieren überwunden. Beim Pinienkerne-Knacken und einer Runde Tee ergeben sich selbst mit einem geringen Wortschatz überraschend tiefgründige Gespräche. Ein kleine Anmerkung zur Etikette: Über alles darf gesprochen werden – doch als Ausländer sollte man Kritik an Russland und Putin vermeiden!

Einheimische nutzen den Speisewagen sehr selten. Transsib-Reisende bringen sich alles selbst mit und ergänzen ihre Nahrungsvorräte auf den Bahnsteigen. Es kann schon mal sein, dass einem gegenüber im engen Abteil eine turkmenische Großmutter ein gekochtes Hühnchen pellt, mit den Händen zerteilt und unter den Mitreisenden verteilt. Fertigsuppen, die man nur mit heißem Wasser aufgießen muss, sind allseits beliebt. Manch einer packt auch mal am Ende des jeweiligen Waggons seinen Räucherfisch auf den Heißwasserkessel, um den Fisch wieder aufzuwärmen. Der Provodnik sieht das gar nicht gern.

Und wie ist das nun mit der täglichen Körperpflege? Duschen gibt es generell nicht. An jedem Waggonende befindet sich ein Waschraum mit Toilette. Wer auf eine Dusche nicht verzichten kann, der muss mit einem Sonderzug fahren oder ein Zwei-Bett-Abteil in den chinesischen Zügen Nummer 3 und 4 buchen. Da man sich allerdings im Zug nicht groß schmutzig macht, kommt man als Reisender auch mit dem Waschbecken aus. Wichtig ist, dass man sich luftig und leicht kleidet, so dass man nicht den ganzen Tag vor sich hin muffelt.

Von Irkutsk aus sollte man einen Ausflug mit dem Tragflächenboot – der so genannten Rakjeta – zum Baikalsee machen. Mit dem Schiff geht es die Angara hinauf bis zur Ortschaft Listvjanka, die sich am Ufer des 636 Kilometer langen und bis zu 1,6 Kilometer tiefen Baikalsees befindet. Mit der Elektricka ist es auch möglich von Irkutsk nach Sludjanka zu fahren und von dort aus eine Wanderung in die umliegenden Berge zu starten.

Fährt man von Irkutsk weiter in Richtung Peking, so ist ein Halt in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator Pflicht! Die Stadt liegt umgeben von Bergen in gut 1.500 Meter Höhe und wird jedem Besucher fest im Gedächtnis bleiben. Ulan Bator hat zwar kaum touristische Sehenswürdigkeiten, doch die Stadt ist trotzdem überaus interessant. Hat man sich erst einmal ein wenig eingelebt, wird man begeistert sein von der so ganz anderen Stadt abseits des hektischen Weltgeschehens. Sehenswert neben dem Zentrum sind das Gandan-Kloster und der so genannte Black Market / Tov Baraany sowie die umliegenden Berglandschaften. Von den Bergen kann man hervoragend auf die im Talkessel liegende Stadt blicken. Über Wiesen und durch Lärchenwälder kann man rings um die Stadt in den Bergen wandern gehen. Es sind auch schöne Tages- oder Wochenendausflüge zum Feriengebiet Terelj oder in ein Jurtencamp möglich.

Quellen:
turus.net
mongol-tour.de

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2 Reaktionen zu “Mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Fernost”

  1. Andersreisender

    Wenn man diese Zeilen liest, bekommt man gleich wieder Lust auf eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ich kann es nur wärmstens empfehlen – die Fahrt war eine meiner schönsten Reisen bisher :-)

    Übrigens: Im Zug Nr. 2 gab es sehr wohl eine “provisorische” Dusche, die auch genutzt werden konnte. Wies genau funktioniert, habe ich in meinem Reisetagebuch beschrieben.

  2. Daniel

    @ Andersreisender
    Danke für das Feedback und für die Korrektur!

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