Lehrbuch: Einführung in die mongolischen Schriften. von Otgonbayar Chuluunbaatar
Die 162 Seiten starke “Einführung in die mongolischen Schriften” von Otgonbayar Chuluunbaatar verschafft Studierenden der Linguistik und Mongolistik einen bequemen Einstieg in das komplizierte Feld der zahlreichen mongolischen Schriftsysteme und ist damit zumindest in deutscher Sprache neu und einzigartig.
Die Geschichte der Mongolen wird auf 6 Seiten in aller Kürze skizziert. Die folgenden 14 Seiten geben einen Überblick über die mongolischen Sprachen. Die mongolischen Schriftsysteme werden auf 58 Seiten beschrieben, gefolgt von 8 Seiten über die mongolischen Schriftsprachen. Den größten Teil des Buches nehmen 70 Seiten mit Schriftübungen ein. Das Literaturverzeichnis gibt mit 76 Titeln wertvolle Hilfestellung zur eingehenderen Beschäftigung mit einzelnen Bereichen.
Die “Einführung in die mongolischen Schriften” setzt Grundkenntnisse einer mongolischen Sprache und einer mongolischen Schrift voraus. Dies und die Verwendung zahlreicher linguistischer Fachbegriffe lassen das Buch in erster Linie für Studierende der Mongolistik und Linguistik geeignet erscheinen. Diesen Anspruch untermauern Literaturbelege in Fußnoten sowie das 4-seitige Literaturverzeichnis.
Die gefällige Aufmachung und das Layout sind die eines typischen deutschen geisteswissenschaftlichen Werkes. Inhaltlich, methodisch und stilistisch hat die mongolische Autorin “deutsche Qualitätsarbeit” abgeliefert. Zahlreiche Schriftbeispiele und Tabellen tragen zu Anschaulichkeit bei und lockern den Text auf. Das Seitenformat ist günstig gewählt.
Viele Fachbegriffe, komplizierte Sätze und lange Absätze erschweren oft das Lesen und Verstehen der interessanten Inhalte. Beim Vereinfachen des Stoffes geraten die Aussagen bisweilen etwas pauschal. In einer knappen Einführung kann das nicht immer vermieden werden. Der interessierte Leser erwartet aber dann, in einer Fußnote Konkreteres oder wenigstens Hinweise auf weiterführende Literatur.
Die “Einführung in die mongolischen Schriften” erhebt zwar nicht den Anspruch, ein didaktisch ausgefeiltes Lehrbuch zu sein. Dennoch machen die Schriftübungen fast die Hälfte des Buches aus. Die Schriftübugen selber sind in Inhalt, Systematik und Umfang noch ausbaubar. Die kurzen Hinweise zu Rechtschreibung und Aussprache zu Beginn der Schriftübungen mit der klassisch-mongolischen und der kyrillisch-mongolischen Schrift sind nützlich.
Die Schriftübungen an sich sind brauchbar. Die Kopiervorlagen für Schreibblätter mit Orientierungslinien sind vor allem für Anfänger nützlich. Eine Angabe des Vergrößerungsfaktors von auf Din A4 wäre praktisch gewesen.
Lernende würden sich sicherlich an manchen Stellen noch ausführlichere Anleitungen zur Stift- bzw. Pinselführung wünschen. Beim Durcharbeiten der Übungen ergeben sich immer wieder Lücken, wenn beispielsweise die Diphtonge aufgezählt, jedoch keine Übungen dazu angeboten werden. Solche Lücken können allenfalls mit Vorkenntnissen der mongolischen Sprache in Eigenregie gefüllt werden.
Die Einführung in die mongolischen Schriften verfolgt keine Vermittlung grammatischer Sachverhalte. Für das Lernen mongolischer Grammatik gibt es spezielle moderne mongolische Sprachlehrbücher auf dem Markt – viele davon freilich mit Englisch als Basissprache.
Die Einführung in die mongolischen Schriften bieten einen bequemen Einstieg in das Thema an, wie es ihn in deutscher Sprache bislang nicht gab. Die Zusammenstellung stark geraffter Überblicke über mongolische Geschichte, Sprachen und Schriften in einer Monographie überschaubaren Umfalgs ist überaus nützlich und begrüßenswert. So manche Unzulänglichkeiten – besonders im Übungsteil – können von Studierenden der Mongolistik leicht selbst ausgebügelt werden. Letztendlich gibt es derzeit für werdende Mongolisten keinen besseren Einstieg in deutscher Sprache. Ein großes Verdienst der Autorin.
Fazit: Es ist derzeit kein besseres Einstiegswerk für die Beschäftigung mit den mongolischen Schriften erhältlich.
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