Die mongolische Jurte als Mikrokosmos
Das mongolische Nomadenzelt (mongolisch:Ger, türkisch: Yurt, deutsch: Jurte) und die darin herrschende Ordnung, insbesondere Sitzordnung hat vielfältige kulturelle Bedeutungsebenen. Die Jurte kann als Mitte des Kosmos und als eigener Mikrokosmos gesehen werden.
Das ist für Reisende deshalb interessant, da sich aus diesen kosmologischen Vorstellungen eine Reihe von Verhaltensregeln ergeben, die auch von Fremden beachtet werden sollten.
Die kuppelförmige Decke symbolisiert den Himmel. Alle anderen Richtungen orientieren sich am Blickwinkel des am hinteren Ende der Jurte in Richtung Tür schauenden Familienoberhaupts.
Der Eingang der Jurte gilt als Vorne und ist stets nach Süden ausgerichtet. Die Stelle hinter der Feuerstelle wird Hoimar genannt, dies ist die Nordseite und gilt als Hinten. Hier wird ein Altar aufgestellt, auf der das Totem (mongolisch: Ongon, türkisch: Ongun) aufgestellt wird und Opfergaben für die Geister abgelegt werden. Der Sitzplatz daneben gilt als der bedeutendste Sitzplatz im Zelt. Hier nehmen der Hausherr, Stammesälteste, Schamanen und andere ehrwürdige Gäste Platz.
Rechts (Westen) ist die männliche Seite des Zeltes, hier nehmen vorwiegend Männer und geehrte Gäste Platz. Waffen und andere männliche Gebrauchsgegenstände werden ebenfalls hauptsächlich hier aufbewahrt.
Links (Osten) ist die weibliche Seite. Hier nehmen Frauen Platz, und weibliche Gebrauchsgegenstände wie Küchengeräte oder Kinderbetten werden meist hier aufbewahrt. Jugendliche halten sich in der Nähe der weiblichen Seite auf.
Im Alltag wird mit diesen grundsätzlichen Regeln ganz pragmatisch umgegangen. Vor Allem ausländischen Gästen nimmt es niemand übel. wenn sie sich nicht so gut damit auskennen. Anders herum sind die Jurtenbewohner von Ausländern, die sich zu benehmen wissen, besonders angetan.
Das gilt auch für Verhaltensregeln wie, dass man die Türschwelle keinesfalls mit dem Fuß berühren sollte, dass man beim Betreten der Jurte zuerst den Kopf herinsteckt und dann den rechten Fuß hinein setzt. Als Tabu gilt auch sich an die Stützen des Dachkranzes zu lehnen.
Im Zentrum der Jurte befindet sich der Ofen, bzw. die Feuerstelle, der heiligste Punkt. Dies ist der Platz von Golomto, der Tochter Tengris. Man muss ihr Respekt erweisen. Die Jurte ist das Zentrum des Kosmos, und Gal Golomto (die Feuerstelle Golomtos) ist das Zentrum des Mikrokosmos. Die von der Feuerstelle aufsteigende Rauchsäule symbolisiert den Weltenbaum und die Rauchöffnung an der Decke den Eingang ins himmlische Reich. Die Traumreise der Schamanen beginnt meist durch diese Rauchöffnung. Entweder erklimmt der Schamane den Weltenbaum oder er fliegt in Gestalt eines Vogels aus dieser Rauchöffnung hinaus in die Geistwelt.
Der kleine, runde Sonnenstrahl, der durch die Rauchöffnung in die Jurte fällt, bewegt sich im Uhrzeigersinn. An ihm kann man die Uhrzeit ablesen. Auch die Bewohner der Jurte bewegen sich nur im Uhrzeigersinn durch die Jurte, um das Gleichgewicht nicht zu stören. Auch die Schamanen richten sich bei ihren Bewegungen während eines Rituals immer an die Uhrzeigerrichtung.
Quelle: Wikipedia
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