Die Mongolen – Im Reich des Dschingis Khan.

Bogenschießen beim Naadam. Foto: ZDF © Gruppe 5 Filmproduktion http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1031052,day=1,week=43,year=2009.htmlAuf ARTE läuft am Samstag, 17.10. um 14:00 Uhr (Teil 1) und um 14:55 Uhr (Teil 2) die Dokumentation “Die Mongolen – Im Reich des Dschingis Khan.” von Christian Twente.

Als furchteinflößendes, gewalttätiges und eroberungssüchtiges Reitervolk gelten die Mongolen unter ihrem Herrscher Dschingis Khan bis heute. Die zweiteilige Dokumentation will Schluss machen mit diesem Klischee.

Hier werden neue Forschungsergebnisse präsentiert, die das mongolische Reich des 12. bis 14. Jahrhunderts als den ersten “Global Player” der Geschichte schildern, der den friedlichen Austausch von Ideen und Waren zwischen Orient und Okzident ermöglichte.

Die Urgewalt des Mongolensturms in Europa erschütterte das Weltbild des Abendlandes in seinen Grundfesten. Das Gefühl kultureller Überlegenheit wich der Angst vor diesem unbekannten Volk.

Die Unwissenheit der Europäer führte zu Legendenbildung um den militärisch weit überlegenen Gegner. “Tartaren” nannte man die fremden Krieger, “die aus der Hölle kamen”. In ihren fremdartigen Gesichtern und ihren verheerenden Eroberungszügen sah man die Erscheinung des Antichristen. Viele Klischees über das mächtige Nomadenvolk bestehen bis heute fort.

Weithin unbekannt ist, dass Dschingis Khan und seine Nachfolger auch geschickte Staatslenker waren. Für knapp 200 Jahre garantierten die Khane den Ideenaustausch und Handel von zwischen Orient und Okzident. Erst mit dem Zerfall der mongolischen Zentralmacht Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die Handelswege nach Fernost unsicher und teuer. Die vielseitigen Kontakte brachen ab, Asien und Europa wurden sich wieder fremd.

Der erste Teil der Dokumentation schildert die Jugend und den Aufstieg des Nomadenjungen Temudschin, der im Jahre 1206 zum Dschingis Khan – zum “ozeangleichen Herrscher” – erhoben wird. Der Film rekonstruiert aufwendig die Gründe für die militärischen Erfolge der straff geführten Reiterarmee, veranschaulicht die Wendigkeit der Steppenpferde und zeigt die Kunst des Bogenbauens, die heute noch in der Mongolei gepflegt wird.

Doch Dschingis Khan ist nicht nur ein erfolgreicher Kriegsherr, sondern auch ein weitsichtiger Staatsmann. Er lässt schriftlich ein einheitliches Recht fixieren und übernimmt aus China die effiziente Bürokratie, gemäß dem Grundsatz: “Du kannst ein Reich vom Rücken eines Pferdes aus erobern, doch Du kannst es nicht vom Rücken eines Pferdes aus verwalten.” Außerdem gründet der Nomade Dschingis Khan eine Stadt und schafft damit die Voraussetzung für den bis in die Gegenwart einzigen Nomadenstaat der Welt.

Der zweite Teil der Dokumentation beschreibt die längst versunkene mongolische Hauptstadt Karakorum und lässt das Alltagsleben der Mongolen wieder auferstehen. Die Dokumentation folgt den Spuren des flandrischen Franziskaner-Mönchs Willem von Rubruk. Im Jahre 1253 war er in die Steppen Asiens aufgebrochen, um das unbekannte mongolische Reitervolk zu christianisieren.

Seine Mission scheiterte, doch sein Bericht “Reise zum Großkhan der Mongolen” ist ein einmaliges historisches Zeugnis. Rubruk war der einzige Europäer, der die mongolische Hauptstadt Karakorum mit eigenen Augen sah und davon in der Heimat berichten konnte. Er schilderte den Prunk des Palastes mit dem legendären, vier Meter hohen Silberbaum, aus dem Milch und Wein flossen.

Heute suchen deutsche Archäologen nach den Grundmauern des Palastes und den Relikten des Silberbaumes. Aus ihren Erkenntnissen und Rubruks Beschreibungen entsteht mit aufwendiger Technik eine Rekonstruktion im Modell. Rubruk beschrieb auch detailliert das alltägliche Leben der Nomaden. Bis heute haben seine Beobachtungen nichts an Aktualität verloren.

Vor atemberaubender Landschaft zeigt der Film das ursprüngliche Leben der Menschen, das sich auf dem Land seit damals kaum verändert hat. Sommer wie Winter leben sie in ihren Rundzelten, den Jurten, und ernähren sich von dem, was die Natur ihnen bietet. Im frühesten Kindesalter beherrschen sie den Umgang mit ihren Pferden und lernen spielerisch den Gebrauch von Pfeil und Bogen, Fähigkeiten, die sie vor 800 Jahren unbesiegbar machten.

Nach jahrhundertelanger Unterdrückung – erst durch China, dann durch die Sowjetunion – hat die Erinnerung an den großen Dschingis Khan den Mongolen heute zu einem neuen nationalen Selbstbewusstsein verholfen.

Quellen:
Lesen Sie den kompletten Originalartikel über den ersten Teil der TV-Dokumentation bei tv.intern.de.
Lesen Sie den kompletten Originalartikel über den zweiten Teil der TV-Dokumentation bei tv.intern.de.

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