Debatte zu den Bamiyan-Statuen im Gebiet der turkmenisch-mongolischen Hazara
Vor acht Jahren zerstörten Taliban die Buddha-Statuen im Tal von Bamiyan, einer Provinz im Zentrum Afghanistans. Die Sprengung der um 500 nach Christus entstandenen Monumente buddhistischer Kunst, die als die größten stehenden Figuren weltweit galten, kann zu Recht als bewusste Demütigung der dort lebenden schiitischen Volksgruppe gesehen werden, die auf das vorislamische Kulturerbe ihrer Heimat stolz war und es über Jahrhunderte geschützt hatte. Das turkmenisch-mongolische Volk der Hazara, eine ethnische sowie konfessionelle Minderheit in Afghanistan, sah sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt.
Seit 2003 ist das Bamiyantal mit seiner vorislamischen Kulturlandschaft Weltkulturerbe und steht im Zentrum einer Debatte über die Kulturpolitik der Unesco. Über eine mögliche Rekonstruktion der Figuren diskutierten Experten jetzt im Rahmen der Berliner Gandhara-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Finanziert vom Deutschen Auswärtigen Amt arbeitet ein internationales Restauratoren-Team vor Ort an der Rekonstruktion. Schwierigkeiten bereiten den Experten die Witterung sowie die Hinterlassenschaft vergangener Kriege. Vom großen Buddha existieren 40 bis 60 Tonnen Fragmente; aber ob darunter eine Bombe liegt, weiß keiner.
Auch die eurozentristische Haltung im Umgang mit Kulturdenkmälern wurde diskutiert. Die turkmenisch-mongolischen Hazaran bewohnten zum Teil kleinere Felsnischen neben den Buddha-Statuen. Als Bamiyan den Status eines Weltkulturerbes erhielt, wurde die einheimische Bevölkerung umgesiedelt. Wo sie lebten, ist nun eine riesige Baustelle und Sperrgebiet. Die Forscher sind sich trotzdem einig: Das Bewahren von Erinnerung ist keine rein westliche Angelegenheit. Dem Argument, die kulturpolitische Arbeit der Unesco sei Kulturimperialismus, setzte Petztet entgegen, dass es Denkmalschutz in Afghanistan auch vor dem Krieg gegeben habe.
Die Hazara (auch Hasara geschrieben) sind ein turkmenisch-mongolischstämmiges[1] Volk. Sie stammen aus der Region des heutigen Zentralafghanistans und sind mit circa fünf Millionen Einwohnern auch heute größtenteils dort ansässig. Daher wird diese Region auch als Hazaradschat bezeichnet. Ihre Hauptsiedlungsgebiete sind die Provinzen Bamiyan, Daikondi (ehemals nördlichster Bezirk von Oruzgan), Ghazni und Wardak.
Viele leben in Folge von Emigration im Ausland, davon circa 200.000 im Iran und circa 100.000 in Pakistan, wo sie im Stadtteil Mariabad in Quetta die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Ihre heutige, dem Persischen zuzurechnende Sprache Hazaragi weist einen großen Bestand an mongolischen, aber auch türkischen Wörtern auf. In der Nähe Herats spricht noch eine Handvoll Hazara die alte Sprache der Moghol, ein weitgehend unverfälschtes Mongolisch, das ansonsten überall verschwunden ist.
Hinsichtlich der Abstammung der Hazara werden in der einschlägigen Literatur verschiedene Ansichten vertreten. Das Wort Hazara ist vom persischen Hazar-ha, Tausendschaft, abgeleitet und Anspielung auf die Tausendschaft der Mongolenarmee unter Dschingis Khan.
1316 konvertierte der Il-Khan Abu Sa’id, ein direkter Nachkomme Dschingis Khans, zum schiitischen Islam, und mit ihm viele seiner Anhänger. Die Hazara gehören überwiegend dem schiitischen Islam an. Bis heute bilden die Hazara eine bedeutende schiitische Gemeinde im traditionell sunnitischen Zentralasien.
Quellen:
Kompletter Originalartikel von Karola Kallweit bei welt.de
wikipedia.org
wikipedia.org
Tags: Afghanistan, Bamyian, Buddha, Buddhismus, Taliban
Am 20. August 2009 um 14:09 Uhr
Wo Afghanistan eine Traumdestination ist